Schön und gut Herr Hurrelmann, aber …

Interview mit K.Hurrelmann am 30.07.2012 in der Süddeutschen Zeitung zu G8.

Frage:

„Eltern und Schüler sagen nun seit Jahren: Es ist zu viel Stress, zu wenig Zeit für Sport- oder Musikvereine, zu viel Bedarf an Nachhilfe. Ist das so abwegig?

K. Hu.:

„Nein, die Punkte bauen auf realen Beobachtungen auf. Doch dies wurzelt nicht im G 8 an sich, sondern darin, dass mit der Reform der Tagesablauf an den Schulen zu wenig verändert wurde: Man müsste die Ganztagsschule mehr nutzen, für einen rhythmisierten Stundenplan, also einen Wechsel zwischen Erholungsphasen und Herausforderungen. Wir brauchen einen neuen Biorhythmus für den Unterricht. So kann man auch Sport, Musik und Hausaufgaben besser in das Gymnasium einbauen. Bislang macht das nur Rheinland-Pfalz in Ansätzen, die anderen versäumen das.“

Hannibal Wägele:

Und genau das machen Schüler und Eltern nicht mit. „Schule soll Spaß machen“ (Ungefähr 46.400 Ergebnisse (0,37 Sekunden)) und die meisten meinen das im Ernst. Fun und Trallala.

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Schule macht erst dann Spaß, wenn Schüler sich angestrengt haben, wenn der richtige Transmitter im Hirn die Eigenbelohnung vermittelt. Und im Übrigen gibt’s so spät im Leben keinen „neuen Biorhythmus“, das muss man viel früher anlegen. schlimm.

Frage:

Wie sehen Sie die pädagogischen Folgen – lernen die Schüler mit mehr Stunden im jüngeren Alter besser?

Die lernpsychologischen Argumente für das G 8 waren von Anfang an schwach. Natürlich ist es gut, wenn man für das Lernen angemessen Zeit hat, deshalb ist ein größerer Freiraum zunächst von Vorteil. Aber die Zeit muss richtig getaktet sein. Bislang war die Jahrgangsstufe 11 immer eine Pufferzeit, in der andere Schüler hinzugekommen sind und zunächst auf den gleichen Leistungsstand gebracht werden mussten; oder das Jahr wurde genutzt, um ins Ausland zu gehen.“

Hannibal Wägele:

Falsch,

Jahrgangsstufe 11 ist in der biologischen Entwicklung der Zeitraum, in dem Schüler von der „Du“-Mittelstufe zur „Sie-“ Kursstufe übertreten. Ein notwendiger Abschnitt, in dem unter anderem eine abstraktere Denk- und Argumentationsweise eingeübt wird und überhaupt erst möglich ist, in der die Fragestellungen komplexer werden, in der vor allem biologisch die Pubertätsphase in die Erwachsenenphase übergeht. Ohne diese Phase, und die kann man einfach nicht vorverlegen, gibt es keine gymnasiale Bildung und auch kein akzeptables Abitur, Herr Hurrelmann! Von wegen Leerlauf. Welches g8-Schülerhirn soll den jemals eine einfache Kurvendiskussion hinkriegen, wenn die grauen Zellen noch nicht mitmachen? Und in der ganzen Geschichte sind die Jungs beteiligt, weil die Mädchen schneller und glatter durch die Pubertät kommen. Bitte mal nachlesen, was Hirnforscher bereits darüber wissen.

Frage:

„Sollte wenigstens der Lernstoff weiter reduziert werden?

Nein, der ist genug entschlackt. Nun geht es darum, die Zeit besser zu nutzen mit Schritten zu einer effektiven Ganztagsschule. Zudem muss es Wahlmöglichkeiten geben. Die Kultusminister sollten das G 8 neben dem G 9 weiter anbieten, aber an unterschiedlichen Schulen. Das Konzept, in 13 Jahren zum Abitur zu gelangen, wie etwa an den Sekundarschulen in Berlin, ist vielversprechend.“

Hannibal Wägele:

Na, wenigstens das haben Sie jetzt eingesehen. Bloß das werden Politiker nicht einsehen, denn das kostet viel Geld (16 x viel Geld), und das brauchen wir zur Rettung der Banken.

Griesle, Hannibal

Zitate des Interviews in „“

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