In unseren Schulen herrscht Krieg

„So sieht der Schulfrieden aus“ lautet jedenfalls der Titel eines Aufsatzes von

Rainer Werner in der WAMS. Offenbar hat er die Lösung für die Qualitätsverbesserung in unserer Schulen. Sie ist ganz einfach:

„Keine Firma könnte es sich leisten, ihr Kerngeschäft so schlecht zu betreiben wie viele Schulen. – Wir brauchen mehr Konkurrenz“

Mag die erste Aussage in sich noch stimmen (der Vergleich mit einer Firma hinkt aber auf allen Beinen), so ist die Quintessenz daraus ganz sicher nicht eine Erhöhung der Konkurrenzsituation von Schulen zueinander. Erst recht nicht durch eine Bewertung der Lehrer durch Schüler „Einige Pionierschulen sind hier völlig neue Wege gegangen“.

Zwischen unseren Schulen in der Republik existieren so viele Unterschiede (16 mal x Schulformen + y Privatschulen, also einige Hundert), dass genügend Konkurrenz da ist. Außerdem sollten wir als Schule keine so unterschiedlichen Leistungen erbringen, wie das z.B. die Autoindustrie, die Modeindustrie oder andere Produkthersteller tun. Wir sollten Qualität durch unseren Unterricht schaffen, wie wir das z.B. von einem Handwerker erwarten.

Eine Bewertung von Unterrichtsqualität  kann durch Schüler überhaupt nicht erfolgen; allenfalls nach einigen Studien/Berufsjahren, wenn sie feststellen, dass Schule nützlich war. Schüler sind durch ihre Rolle im Bildungsbetrieb weder durch ihre Kompetenz noch durch ihre Zuständigkeit in der Lage eine solche Bewertung vorzunehmen. Das, was der Kollege wohl meinen könnte, läuft auf einer anderen Ebene ab: dem Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern.

Als jemand, der immer noch denkt, unser Kerngeschäft – lieber Aufgabe – ist das Vermitteln von Kompetenzen und Wissen eines Faches und seine Einbettung in einer Allgemeinbildung, weiß ich, dass mein Unterricht glaubwürdig, nachprüfbar und transparent sein muss. Dazu gehört ein gerüttelt Maß an Fachwissen und pädagogischer Einsicht, die weitgehend aus Erfahrung resultiert (und nicht durch Theorie). Das Ergebnis ist ein Vertrauensverhältnis, welches zwischen Lehrer und Schüler aufgebaut werden muss, und zwar vielfach. Es ist ein Verhältnis zwischen Meister und Lehrling. Das schließt eine Bewertung, wie sie im Aufsatz geschildert ist aus. Das Vertrauensverhältnis lässt es dem Lehrling immer zu, dem Meister zu sagen, wo’s klemmt. Allerdings braucht man dann auch Schulmeister und keine dieser KarrierekollegInnen, wie sie seit Meyer-Vorfelder immer häufiger an unseren Schulen auftauchen – und damit haben wir eine der vielen Baustellen im Bildungssystem, die die Qualität des Unterrichts verhindern. Schule ist keine Firma, in der man irgendwelche der Betriebswirtschaft entnommenen Einzelmaßnahmen umsetzten kann. Schule ist ein komplexes System mit vielen Stellschrauben, die man nur langfristig mit vielen kleine Schritten verändern kann. Dazu braucht man aber eine gute Idee und keine 16 konkurrierende Baustellen, eine maroder als die nächste (Klassenteiler, Lehrermangel, kein Geld für Bildung, stümperhafte Lehrerausbildung, Politiker ….).

Genug, aber nur für heute.

Oh jeh, Herr Werner, geht’s nicht noch einfacher?

Hannibal

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